Nach seinen Jahren als gefeierter Virtuose ließ sich Franz Liszt 1848 in Weimar nieder. Dort wandte er sich verstärkt der Ausarbeitung seiner musikästhetischen Ideen zu. Die tradierten Formen der Wiener Klassik erschienen ihm zunehmend als erstarrt: An ihre Stelle sollte eine Musik treten, die sich durch außermusikalische Inhalte beleben und erweitern lässt. Diese Auffassung teilte er mit Gleichgesinnten wie Richard Wagner und Hector Berlioz. Zwischen 1848 und 1856 schuf Liszt zur Veranschaulichung dieser „neudeutschen“ Ideen zwölf sinfonische ...
Nach seinen Jahren als gefeierter Virtuose ließ sich Franz Liszt 1848 in Weimar nieder. Dort wandte er sich verstärkt der Ausarbeitung seiner musikästhetischen Ideen zu. Die tradierten Formen der Wiener Klassik erschienen ihm zunehmend als erstarrt: An ihre Stelle sollte eine Musik treten, die sich durch außermusikalische Inhalte beleben und erweitern lässt. Diese Auffassung teilte er mit Gleichgesinnten wie Richard Wagner und Hector Berlioz. Zwischen 1848 und 1856 schuf Liszt zur Veranschaulichung dieser „neudeutschen“ Ideen zwölf sinfonische Dichtungen. In ihnen setzte er sich mit unterschiedlichsten außermusikalischen Stoffen auseinander.
Seine Entwicklung kulminiert schließlich in zwei Werken, die sich auf zentrale Texte der europäischen Literatur beziehen: Johann Wolfgang von Goethes Faust und Dante Alighieris Göttliche Komödie. Die Dante-Sinfonie entstand zwischen 1854 und 1856 und schildert in suggestiven „Musik-Bildern“ eine allegorische Reise durch das Jenseits: Hölle, Läuterung und Paradies. Das Paradies könne man aber nicht komponieren, so Wagner zu Liszt. Also setzte Liszt an die Stelle des Paradieses ein Magnificat. Ein im wahrsten Wortsinne episches Werk, das durch Wolfgang Amadeus Mozarts große, elegische g-Moll-Sinfonie eingeleitet wird.
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