Mit Venezuela zeigt das Staatsballett Hannover eine der radikalsten und zugleich poetischsten Arbeiten Ohad Naharins. Das 2017 entstandene Werk entfaltet sich in zwei 40-minütigen Abschnitten, in denen dieselbe Choreografie zweimal getanzt wird. Die Schritte bleiben dieselben, doch die Besetzung, die Musik, das Licht und die energetische Spannung sind andere. Der erste Teil wird von gregorianischen Gesängen begleitet, im zweiten Teil treffen dieselben Bewegungen auf eine collageartige Klanglandschaft aus Rap, Metal, Hip-Hop, Rock, Drone und Bollywood ...
Mit Venezuela zeigt das Staatsballett Hannover eine der radikalsten und zugleich poetischsten Arbeiten Ohad Naharins. Das 2017 entstandene Werk entfaltet sich in zwei 40-minütigen Abschnitten, in denen dieselbe Choreografie zweimal getanzt wird. Die Schritte bleiben dieselben, doch die Besetzung, die Musik, das Licht und die energetische Spannung sind andere. Der erste Teil wird von gregorianischen Gesängen begleitet, im zweiten Teil treffen dieselben Bewegungen auf eine collageartige Klanglandschaft aus Rap, Metal, Hip-Hop, Rock, Drone und Bollywood-Sounds. Wie für Naharins Bewegungssprache typisch, wechseln extreme Körperzustände abrupt: Fließende Weichheit schlägt in explosive Raserei um, intime Duette stehen neben kollektiv aufgeladenen Gruppenszenen. Elemente des argentinischen Tangos werden in eine rohe Form überführt. Wiederholung wird Naharin zum Mittel eines Experiments, das zeigt, wie sich Bedeutung durch Veränderung des Kontexts verschiebt – wie der Tanz Bedeutung nicht festlegt, sondern zur Disposition stellt.
1952 im israelischen Kibbuz Mizra geboren, folgte Naharin Mitte der 1970er Jahre einer Einladung der Modern-Dance-Ikone Martha Graham nach New York und tanzte später in Maurice Béjarts Ballet du XXe Siècle. Den Großteil seines umfangreichen OEuvres schuf er für die in Tel Aviv ansässige Batsheva Dance Company, die er von 1990 bis 2018 leitete. Mit seiner als „Gaga“ bezeichneten Technik entwickelte er eine eigene Trainingsmethode basierend auf dem Wissen um die dynamische, sich ständig verändernde Kraft der Bewegung.
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