Theaterstück über Sex und Arbeit
von LA FLEUR nach Émile Zola
Nana singt nicht gut, Nana spielt nicht gut, Nana tanzt nicht gut, aber hat sie einen tollen Hüftschwung. Sie verkörpert eine radikale Präsenz, die nicht nur auf der Bühne eine aggressiv-erotische Verbindung zu ihrem Publikum herstellt, sondern auch im Leben. Diese wirkliche Welt unterscheidet sich in Zolas Roman kaum vom Theater, das nicht nur von seinem Direktor als Bordell bezeichnet wird. Nana ist darin eine erfolgreiche Unternehmerin, die ihren Körper als erste verfügbare Ressource einsetzt und dabei keine Risiken und Härten scheut, so verlieren ...
Nana singt nicht gut, Nana spielt nicht gut, Nana tanzt nicht gut, aber hat sie einen tollen Hüftschwung. Sie verkörpert eine radikale Präsenz, die nicht nur auf der Bühne eine aggressiv-erotische Verbindung zu ihrem Publikum herstellt, sondern auch im Leben. Diese wirkliche Welt unterscheidet sich in Zolas Roman kaum vom Theater, das nicht nur von seinem Direktor als Bordell bezeichnet wird. Nana ist darin eine erfolgreiche Unternehmerin, die ihren Körper als erste verfügbare Ressource einsetzt und dabei keine Risiken und Härten scheut, so verlieren einige vormals sehr reiche Männer ihr gesamtes Kapital an Nana, manche lassen dabei sogar ihr Leben. Ein Journalist, der sich ihrem Einfluss wie alle anderen genauso wenig entziehen kann, deutet ihren unaufhaltsamen Aufstieg – aus dem Schlamm der Pariser Trunkenbolde von Château Rouge in die Welt des Geldes und der Ehre – als Rache des Proletariats an der Bourgeoisie.
Aber Nana ist gleichzeitig die perfekte Bewohnerin des Kapitalismus. Sie konsumiert ohne Unterlass und ohne Maß, rückhaltlos verleibt sie sich alles und jeden ein, dabei geht es ihr nicht um die Befriedigung von Bedürfnissen, sondern um das reine Konsumieren – um seiner selbst willen. Für die Bourgeoisie, deren Aufstieg und Herrschaft eng mit dem Kapitalismus verbunden sind, ist Nana das systemerhaltende Element, dem Einzelne zwar zum Opfer fallen, aber nur um das System als solches von innen heraus zu stabilisieren.
Im 19. Jahrhundert war Nana ein bisschen Künstlerin und viel Kurtisane. Im 21. Jahrhundert ist sie Sexarbeiterin und Protagonistin der Performance-Szene, die weder Narration noch eine Rolle braucht, sondern die wie eine Kim Kardashian an ihrem Image als unerschöpflichem Wert arbeitet und spektakulär das Hier und Jetzt krachen lässt. In der Elfenbeinküste und Westafrika gibt es gerade sehr viele Kims, sie heißen: Emma Lohoues, Coco Emilia, biscuit de mer, Eudoxie Yao oder Diaba Sora. Mit den Mitteln des urbanen Tanzes, im Besonderen des Coupé Décalé, und einer starken physischen Intensität unternimmt die afrikanisch-europäische Gruppe LA FLEUR eine freie und zeitgenössische Adaption von Zolas Roman.
Angefertigt in den Werkstätten der MC93
Produktion: LA FLEUR
Koproduktion: MC93 — Maison de la Culture de Seine-Saint-Denis, Theater Bremen, Pumpenhaus Münster
Die Kooperation mit LA FLEUR wird gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von "Nana und der Pro Sex Feminismus".
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