Nach monatelanger Belagerung steht die jüdische Stadt Betulia vor der Kapitulation. Während Fürst Ozia und der Hohepriester dem Druck des Volkes nachgeben wollen, bittet die junge Witwe Judith um Aufschub – sie hat einen Plan. Judith begibt sich ins Lager des assyrischen Feldherrn Holofernes, bezirzt ihn, wiegt ihn in falscher Sicherheit und enthauptet ihn im Schlaf. Mit Holofernes’ Tod ist Betulia gerettet, doch der Triumph hat einen bitteren Nachgeschmack: Judith bleibt am Ende allein zurück.
Das Ende des 17. Jahrhunderts entstandene Oratorium ...
Nach monatelanger Belagerung steht die jüdische Stadt Betulia vor der Kapitulation. Während Fürst Ozia und der Hohepriester dem Druck des Volkes nachgeben wollen, bittet die junge Witwe Judith um Aufschub – sie hat einen Plan. Judith begibt sich ins Lager des assyrischen Feldherrn Holofernes, bezirzt ihn, wiegt ihn in falscher Sicherheit und enthauptet ihn im Schlaf. Mit Holofernes’ Tod ist Betulia gerettet, doch der Triumph hat einen bitteren Nachgeschmack: Judith bleibt am Ende allein zurück.
Das Ende des 17. Jahrhunderts entstandene Oratorium La Giuditta ist hochdramatisch, sinnlich, prägnant, affekt- und effektvoll. Der Komponist dieses Werkes – Alessandro Scarlatti (1660 – 1725) – zählt zu den wichtigsten Gestalten der italienischen Barockmusik. Nach frühen Erfolgen in Rom wirkte er vor allem in Neapel als Kapellmeister und trug dort Wesentliches zur Ausformung der Opera seria bei. Er komponierte über 100 Opern, mehr als 600 weltliche Kantaten sowie zahlreiche Oratorien. Mit seiner Verbindung aus melodischer Klarheit, kontrapunktischer Souveränität und dramatischer Prägnanz wirkte Scarlatti stilbildend für eine ganze Komponistengeneration, nicht zuletzt auch für seinen Sohn Domenico Scarlatti.
In La Giuditta holt Alessandro Scarlatti sein gesamtes barockmusikalisches Emotionsbesteck hervor: Es hagelt Wut- und Rache-Tiraden neben herzzerreißend traurigen Arien – und in jedem Moment steht die menschliche Stimme, das Gefühl des Einzelnen im Zentrum. Sechs Solistinnen und Solisten tragen das von raschen Szenen- und Gefühlszustandswechseln geprägte Geschehen: Macht, Liebe, Verführung und der Preis, den man am Ende zahlt. Das Hin und Her des Lebens: in Musik!
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