Es klingelt. Mit dem lasziv-hochnäsigen Sprachgestus einer großen Diva gähnt Kammersängerin Carmen Fuggiss in die Hörmuschel des von Pianistin Hyerim Byun live zum Leben erweckten Bühnentelefons: „Lola Blau?“ – der Beginn eines intensiven Abends, an dem wir in das erzählte und dargestellte Leben einer fiktiven Frau eintauchen, die so fiktiv gar nicht ist. In großen Teilen ähnelt das von dem großen Wiener Kabarettlied-Komponisten und -Sänger Georg Kreisler geschriebene Erfolgswerk Heute Abend: Lola Blau der Lebensgeschichte Kreislers selbst. Kreisler ...
Es klingelt. Mit dem lasziv-hochnäsigen Sprachgestus einer großen Diva gähnt Kammersängerin Carmen Fuggiss in die Hörmuschel des von Pianistin Hyerim Byun live zum Leben erweckten Bühnentelefons: „Lola Blau?“ – der Beginn eines intensiven Abends, an dem wir in das erzählte und dargestellte Leben einer fiktiven Frau eintauchen, die so fiktiv gar nicht ist. In großen Teilen ähnelt das von dem großen Wiener Kabarettlied-Komponisten und -Sänger Georg Kreisler geschriebene Erfolgswerk Heute Abend: Lola Blau der Lebensgeschichte Kreislers selbst. Kreisler hegte Hoffnungen auf eine musikalisch erfolgreiche Laufbahn im deutschsprachigen Kulturraum, musste das zum Teil des Deutschen Reichs gewordene Österreich aber aufgrund seiner jüdischen Abstammung verlassen, landete in den USA, schließlich beim USMilitär – und sogar als Dolmetscher im Zuge von Kriegsverbrecherprozessen nach 1945 wieder in Deutschland. Ähnlich tragisch und zugleich verrückt ergeht es der jungen jüdischen Frau Lola Blau, die sich eigentlich anschickt, am Landestheater Linz als Schauspielerin zu arbeiten. Doch dann muss sie aus Österreich flüchten. Lola reist in die USA, nimmt die „Liab im Taschl drin“ mit und lernt in den Folgejahren die teilweise bitter schmeckenden Lektionen des Lebens.
Besonders die zwanzig von Kreisler stammenden Lieder prägen diesen Abend, an dem das Lachen meist irgendwo in diversen Halsregionen stecken bleibt, spätestens dann, wenn in Kreislers Chansons gnadenlos Wunden geöffnet werden. Ist der Antisemitismus mit dem Ende der Shoah tatsächlich verschwunden? Gibt es wirklich Hoffnung auf ein gutes Leben? Und wie fühlt es sich an, in seine Heimat zurückzukehren, in der man sich nie heimisch gefühlt hat?
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