Marco Goeckes Der Liebhaber basiert auf dem Roman L’Amant von Marguerite Duras aus dem Jahr 1984. In teilweise autobiografischen Fragmenten erzählt die Autorin von der Begegnung einer fünfzehnjährigen Französin mit einem deutlich älteren chinesischen Liebhaber im damaligen Kolonial-Indochina (heutiges Vietnam).
Während der Roman bei seinem Erscheinen Diskussionen über Sexualität, Abhängigkeit und koloniale Verhältnisse auslöste, richtet Goeckes Choreographie den Fokus bewusst auf die zwischenmenschlichen Dimensionen der Geschichte. Duras’ elliptische ...
Marco Goeckes Der Liebhaber basiert auf dem Roman L’Amant von Marguerite Duras aus dem Jahr 1984. In teilweise autobiografischen Fragmenten erzählt die Autorin von der Begegnung einer fünfzehnjährigen Französin mit einem deutlich älteren chinesischen Liebhaber im damaligen Kolonial-Indochina (heutiges Vietnam).
Während der Roman bei seinem Erscheinen Diskussionen über Sexualität, Abhängigkeit und koloniale Verhältnisse auslöste, richtet Goeckes Choreographie den Fokus bewusst auf die zwischenmenschlichen Dimensionen der Geschichte. Duras’ elliptische, fragmentarische Erzählweise, durchzogen von Erinnerungsschichten, stillen Beobachtungen und Zwischentönen, übersetzt Goecke in eine choreographische Sprache, die nicht die lineare Handlung nachzeichnet, sondern Gefühle und innere Konflikte in präzise gesetzten Bewegungsimpulsen austrägt: Sehnsucht, Schuld, Macht, Liebe und Verlangen werden in Bewegungen verdichtet, die den Körper als Medium der Erinnerung, der Begierde und der sozialen Zwänge sichtbar machen.
Musikalisch verschmelzen Kompositionen von Claude Debussy, Maurice Ravel, Frédéric Chopin, Unsuk Chin und Gabriel Fauré zu einer Klanglandschaft, die ebenso stark von Erinnerung und Imagination geprägt ist wie die literarische Vorlage.
Goecke, einer der einflussreichsten Choreographen der Gegenwart, hat mit über sechzig Stücken weltweit seine unverwechselbare Handschrift etabliert. In Der Liebhaber zeigt sich diese durch flirrende Bewegungen, impulsive Körperreaktionen und eine expressive Radikalität, die jedes Detail zur Aussage macht. Seine Inszenierung ist keine romantische Geschichte, sondern eine radikale, poetische Meditation über Sehnsucht nach Liebe, Abhängigkeiten und das Ringen um Selbstbestimmung.
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