Mit Der fliegende Holländer setzt sich der streitbare Theatermacher Milo Rau erstmals mit dem Werk und Kosmos Richard Wagners auseinander – und nutzt die romantische Oper als Ausgangspunkt für eine Reise in die politischen Tiefenschichten der Bundesrepublik Deutschland. Im Zentrum steht der verfluchte Seemann, der nur durch die Treue einer Frau Erlösung finden kann – und in Senta eine obsessiv entschlossene Verbündete findet. Ausgehend von Wagners ideologisch verbrämter Beschäftigung mit Ahasverus, der Figur des ewig wandernden Juden, seinem Antisemitismus ...
Mit Der fliegende Holländer setzt sich der streitbare Theatermacher Milo Rau erstmals mit dem Werk und Kosmos Richard Wagners auseinander – und nutzt die romantische Oper als Ausgangspunkt für eine Reise in die politischen Tiefenschichten der Bundesrepublik Deutschland. Im Zentrum steht der verfluchte Seemann, der nur durch die Treue einer Frau Erlösung finden kann – und in Senta eine obsessiv entschlossene Verbündete findet. Ausgehend von Wagners ideologisch verbrämter Beschäftigung mit Ahasverus, der Figur des ewig wandernden Juden, seinem Antisemitismus und Erlösungskult richtet Rau den Blick auf die lange Nachkriegsgeschichte von Schuld, Erinnerung und der Suche nach Versöhnung. Was bedeutet es, Wagner nach der Shoah zu lieben? Gibt es eine Erlösung für Wagner, eine Erlösung von der deutschen Schuld? Die Inszenierung verfolgt diese Fragen anhand der Figur des unerlösten Holländers wie ein Roadmovie durch die deutsche Kultur und Geschichte nach 1945 und die emotional aufgeladenen deutsch-israelischen Beziehungen bis ins Heute. Der Holländer erscheint als nationale Metapher: als Figur, die immer wieder an der Überwindung ihrer eigenen Geschichte scheitert. Rau wagt damit den Schritt in schmerzhafte Areale des Diskurses – ohne erträgliche Antworten zu versprechen. Mit dokumentarisch-filmischer Erzählweise und den Mitteln des Musiktheaters wird die Partitur zum Denkraum über Rezeption und Verantwortung. Musikalisch trifft Wagners Geisteroper auf die energiegeladene Lesart der jungen Dirigentin Giedrė Šlekytė, die mit dieser Produktion ihr Wagner-Debüt an der Deutschen Oper Berlin gibt. Tomasz Konieczny verkörpert mit großer Rollenerfahrung diesen neuen Holländer; an seiner Seite gestaltet Aušrinė Stundytė, international gefeiert für ihre radikalen Frauenfiguren, erstmals die Senta.
Mit großzügiger Unterstützung des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin
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