von Lars Norén
Regie: Thomas Ostermeier (ca. 145 min.)
Lars Norén
Autor
Thomas Ostermeier
Regie
Nina Wetzel
Bühne und Kostüme
Nils Ostendorf
Musik
Sébastien Dupouey
Video
Bernd Stegemann
Dramaturgie
Erich Schneider
Licht
Brigitte Hobmeier
Katarina
Lars Eidinger
Frank
Eva Meckbach
Jenna
Tilman Strauß
Tomas
Aus dem Schwedischen von Angelika Gundlach
Premiere war am 2. März 2010
Frank kommt nach Hause. Er stolpert über die Schuhe seiner Frau, wundert und ärgert sich über die allgemeine Unordnung in der Wohnung und die Zigarettenasche an den ungewöhnlichsten Orten. Das normale Chaos einer normalen Beziehung. Er sucht einen Platz für seine Plastiktüte. In der trägt er jedoch keine Einkäufe nach Hause, sondern die Asche seiner toten Mutter.
Frank und Katarina sind kinderlos, ende Dreißig und seit neun Jahren ein Paar. Sie bewohnen eine schicke aber schlampige Wohnung, und sie erwarten Franks Bruder zur Beerdigung. Der verschiebt seine Ankunft und nun steht ein freier Abend drohend bevor.
Jenna und Thomas wohnen in der Wohnung unter ihnen, im gleichen Alter aber mit drei Kindern gesegnet und einer nicht abreißenden Kette von kleinen Unglücksfällen einer normalen Kleinfamilie. Der fehlende Reis, den Jenna ausborgen will, wird zum Ausgangspunkt einer Einladung. Die jungen Eltern kommen freudig und von ihren Kindern erschöpft in die Beziehungshöhle von Frank und Katarina. Der Abend beginnt als freundliches »Paare besuchen Paare« und gleitet in eine Nacht der ungeplanten Entgleisungen. Die vier verstricken sich in einer Kette von Demütigungen, sexuellen Provokationen, ungewollten Beichten und exhibitionistischen Übergriffen. Die aggressive Einsamkeit der Kinderlosen lässt die vermeintliche Idylle der anderen zerbrechen. Die sexuelle Gier nach dem anderen, die in hundertfachen Begegnungen im Treppehaus zur ständigen Phantasie geworden ist, findet keinen erlösenden Ausdruck. Sie versandet in peinlich verwackelten Versuchen eines wilden und ungehemmten Lebens. Die Angst vor der Einsamkeit, der Überdruss an der Langeweile der Gemeinsamkeit und die gescheiterte Hoffnung auf eine belebende Abwechslung bilden ein Gefängnis, in dem die Dämonen des Lebens sich in den Alltag der kleinen Gemeinheit, der linkischen Bosheit, der angedrohten Trennung und der impotenten Sexualität verkriechen.
Nach »Personenkreis 3.1«, den Thomas Ostermeier 2000 zum Beginn seiner künstlerischen Leitung der Schaubühne inszeniert hat, setzt er mit »Dämonen« seine Beschäftigung mit Lars Norén fort.
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